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Einführung in die CSRD
Die CSRD ist eine neue EU-Richtlinie, die die Landschaft der Nachhaltigkeitsberichterstattung grundlegend verändert. Obwohl die Schweiz kein Mitglied der Europäischen Union ist, wird diese Richtlinie erhebliche Auswirkungen auf zahlreiche Schweizer Unternehmen haben. Ganz gleich, ob Sie an der Spitze eines grossen multinationalen Konzerns oder eines lokales KMUleiten, ist es von entscheidender Bedeutung, die Auswirkungen der CSRD auf Ihr Unternehmen zu verstehen.
In diesem Artikel werden wir die Herausforderungen der CSRD für Schweizer Unternehmen eingehend beleuchten und konkrete Ansätze vorschlagen, wie man sich darauf vorbereiten kann. Wir werden zudem auf die in der Schweiz geplanten regulatorischen Änderungen eingehen, insbesondere auf die Änderung von Artikel 964 des Obligationenrechts, die darauf abzielt, die schweizerischen Anforderungen an die der EU anzugleichen.
Was ist die CSRD?
Die CSRD, die im Dezember 2022 von der Europäischen Union verabschiedet wurde, ersetzt die Richtlinie zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen (NFRD). Sie stellt einen Paradigmenwechsel im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung dar, dessen Auswirkungen weit über die Grenzen der EU hinausreichen.
Die wichtigsten Änderungen, die die CSRD mit sich bringt, sind:
- Eine erhebliche Ausweitung des Kreises der betroffenen Unternehmen
- Detailliertere und standardisierte Berichtspflichten
- Die Einführung des Konzepts der „doppelten Wesentlichkeit“
- Eine Verpflichtung zur Prüfung der veröffentlichten Informationen
Die CSRD zielt darauf ab, die Qualität, Kohärenz und Vergleichbarkeit der von Unternehmen veröffentlichten Nachhaltigkeitsinformationen zu verbessern – ein entscheidender Aspekt der nachhaltige Unternehmensführung. Sie deckt ein breites Spektrum an Themen ab, das von Treibhausgasemissionen über Menschenrechte bis hin zur Unternehmensführung reicht.
Direkte Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen
Obwohl die Schweiz kein Mitglied der EU ist, werden bestimmte Schweizer Unternehmen direkt von der CSRD betroffen sein. Gemäß dem erläuternden Bericht des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements gelten folgende Kriterien für die direkte Anwendung:
- Das Unternehmen erwirtschaftet in der EU einen Nettoumsatz von mehr als 150 Millionen Euro
- Das Unternehmen verfügt über mindestens eine Tochtergesellschaft oder Niederlassung in der EU, die bestimmte Schwellenwerte überschreitet
Nehmen wir das Beispiel von Nestlé, dem Schweizer Lebensmittelriesen. Das Unternehmen, das einen erheblichen Teil seines Umsatzes in der EU erzielt, wird direkt von der CSRD betroffen sein. Es muss seine Strategie und seine Berichterstattung an die neuen Anforderungen anpassen, insbesondere durch die Einrichtung eines Nachhaltigkeitsausschusses auf Ebene des Verwaltungsrats und durch die Steigerung von Umfang und Qualität der in seinem Geschäftsbericht veröffentlichten ESG-Informationen.
Indirekte Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen
Die Auswirkungen der CSRD reichen weit über die unmittelbar betroffenen Unternehmen hinaus. Dieser Dominoeffekt lässt sich dadurch erklären, dass die der CSRD unterliegenden Großunternehmen ihre Verpflichtungen an ihre Lieferanten und Geschäftspartner weitergeben werden.
Für Schweizer KMU bedeutet dies, dass sie voraussichtlich detaillierte Informationen über ihre Umweltauswirkungen, ihre Sozialpraktiken und ihre Unternehmensführung , auch wenn sie nicht direkt der CSRD unterliegen.
Stellen wir uns ein kleines Textilunternehmen in Lausanne vor, das Stoffe an eine grosse französische Modemarke liefert. Letztere, die der CSRD unterliegt, wird wahrscheinlich detaillierte Informationen über die Umweltauswirkungen, die sozialen Praktiken und die Unternehmensführung ihres Schweizer Lieferanten anfordern. Sollte das Lausanner Unternehmen nicht in der Lage sein, diese Informationen bereitzustellen, läuft es Gefahr, diesen wichtigen Kunden zu verlieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass Unternehmen in der EU eine Frist von drei Jahren haben, bevor sie verpflichtet sind, die Daten ihrer Lieferanten in ihre Berichte aufzunehmen. Dies gibt KMU etwas Zeit, sich vorzubereiten, doch ist es von entscheidender Bedeutung, sich bereits jetzt auf diese Änderungen einzustellen.
Herausforderungen für Schweizer Unternehmen
Die CSRD birgt für Schweizer Unternehmen mehrere große Herausforderungen:
- Zugang zum europäischen Markt: Mehr als die Hälfte des Außenhandels der Schweiz entfällt auf die EU. Um diesen entscheidenden Zugang zu erhalten, müssen Schweizer Unternehmen ESG-Standards in ihre Strategie integrieren und sicherstellen, dass diese den Anforderungen der CSRD entspricht.
- Neue Offenlegungspflichten: Unternehmen müssen neue Daten erheben und auswerten, was erhebliche Investitionen in IT-Systeme und die Schulung des Personals erfordern kann.
- Anpassung der Unternehmensführung: Die Richtlinie führt neue Mechanismen der Unternehmensführung ein. Schweizer Unternehmen müssen möglicherweise ihre Führungsstruktur überarbeiten, um sicherzustellen, dass diese den Anforderungen der CSRD entspricht.
- Zusätzliche Kosten: Nach Schätzungen im erläuternden Bericht würden sich die direkten Kosten für die betroffenen Unternehmen auf etwa 620 Millionen Schweizer Franken, wovon mehr als 50 % auf die Prüfung entfallen. Für die indirekt betroffenen Unternehmen werden die Kosten auf 61 Millionen Schweizer Franken geschätzt.
- Bedarf an neuen Kompetenzen: Unter Berücksichtigung der angekündigten Kosten werden mittelfristig in der Schweiz bei den verschiedenen Akteuren bis zu 3’000 zusätzliche Stellen in diesem Bereich benötigt. Diese Unternehmen werden gleichzeitig operatives Personal benötigen, was zu einem Fachkräftemangel führen könnte.
Vorteile der Einhaltung der CSRD
Trotz der damit verbundenen Herausforderungen kann die Einhaltung der CSRD Schweizer Unternehmen zahlreiche Vorteile bieten:
- Verbesserung der Transparenz und des Ansehens: Durch die Veröffentlichung detaillierter Informationen über ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen stärken Unternehmen das Vertrauen ihrer Interessengruppen.
- Gewinnung von Anlegern, die ESG-Kriterien berücksichtigen: Immer mehr Anleger berücksichtigen ESG-Kriterien bei ihren Anlageentscheidungen.
- Minderung finanzieller Risiken im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit: Durch eine gründliche Analyse ihrer Auswirkungen und Risiken im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit können Unternehmen bestimmte finanzielle Risiken vorhersehen und mindern.
- Positionierung als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit: Unternehmen, die diese Entwicklungen vorwegnehmen, positionieren sich als Vorreiter in ihrer Branche.
Nehmen wir das Beispiel von Logitech, ein auf Computerperipheriegeräte spezialisiertes Schweizer Unternehmen. Durch die vorausschauende Berücksichtigung der Anforderungen der CSRD konnte Logitech seine Führungsposition im Bereich Nachhaltigkeit in seiner Branche weiter ausbauen. Das Unternehmen hat insbesondere ein ehrgeiziges Programm zur Reduzierung seiner CO₂-Emissionen aufgelegt und die Transparenz seiner ESG-Berichterstattung erheblich gesteigerterheblich gesteigert. Das Ergebnis? Eine Verbesserung seines Rufs und eine gesteigerte Attraktivität für verantwortungsbewusste Investoren.
Risiken der Nichteinhaltung
Die Nichteinhaltung der CSRD kann für Schweizer Unternehmen verschiedene Risiken mit sich bringen:
- Finanzielle Sanktionen: Auch wenn die Schweiz nicht unmittelbar den Sanktionen der EU unterliegt, könnten die europäischen Tochtergesellschaften oder Niederlassungen Schweizer Unternehmen davon betroffen sein.
- Rufschädigung: In einer Welt, in der Nachhaltigkeit für Verbraucher immer wichtiger wird, könnte die Nichteinhaltung der CSRD das Image eines Unternehmens erheblich beeinträchtigen.
- Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln: Zahlreiche Banken und Investoren beziehen mittlerweile ESG-Kriterien in ihre Finanzierungsentscheidungen ein.
- Verlust der Wettbewerbsfähigkeit: Unternehmen, die sich nicht rasch anpassen, laufen Gefahr, Marktanteile an Wettbewerber zu verlieren, die im Bereich der Nachhaltigkeit proaktiver vorgehen.
Wie bereitet man sich auf die CSRD vor?
Zur Vorbereitung auf die CSRD können Schweizer Unternehmen die folgenden wesentlichen Schritte befolgen:
- Die eigene Situation einschätzen: Feststellen, ob das Unternehmen direkt oder indirekt von der CSRD betroffen ist.
- Durchführung einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse: Bewertung sowohl der Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft als auch der Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf das Unternehmen.
- Einrichtung von Datenerfassungssystemen: Stellen Sie sicher, dass Sie über die erforderlichen Instrumente verfügen, um die von der CSRD geforderten Daten zu erfassen und zu analysieren.
- Teams schulen: Nachhaltigkeit ist keine Aufgabe für eine einzelne Person. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Mitarbeiter in Bezug auf ESG-Themen und die Bedeutung der CSRD zu schulen.
- Nachhaltigkeit in die Strategie integrieren: Bei der CSRD geht es nicht nur um die Berichterstattung. Sie muss in die Gesamtstrategie des Unternehmens eingebunden werden.
- Kostenvorausschau: Schätzungen zufolge belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für die Erstellung eines Berichts auf etwa 100’000 CHF und die für dessen Prüfung auf etwa 113’000 CHF. Zudem sind die Anfangskosten für die Vorbereitung auf das erste Berichtsjahr zu berücksichtigen.
Nehmen wir das Beispiel von Givaudan, dem weltweit führenden Anbieter von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Vernier. Das Unternehmen hat die Anforderungen der CSRD vorweggenommen und ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm namens „A Sense of Tomorrow“ ins Leben gerufen. Dieses Programm umfasst ehrgeizige Ziele in den Bereichen CO₂-Emissionsreduktion, verantwortungsvolle Beschaffung und Vielfalt. Givaudan hat zudem in Instrumente zur Erfassung und Analyse von ESG-Daten investiert, die es dem Unternehmen ermöglichen, detaillierte Berichte zu erstellen, die den Anforderungen der CSRD entsprechen.
Eine Schweizer Perspektive zur Nachhaltigkeit von Unternehmen
Der Schweizer Bundesrat hat kürzlich Leitlinien für die Weiterentwicklung der schweizerischen Vorschriften zur nachhaltigen Unternehmensführung verabschiedet. Diese Leitlinien orientieren sich weitgehend an internationalen Standards, darunter auch an der CSRD.
Der Vorentwurf zur Änderung des Schweizerischen Obligationenrechts sieht vor, Artikel 964 anzupassen, um die Berichtspflichten an die Anforderungen der CSRD anzupassen. Die wichtigsten vorgeschlagenen Änderungen sind:
- Die Senkung der Anwendungsschwellen auf 250 Vollzeitbeschäftigte, 50 Millionen Franken Umsatz oder 25 Millionen Franken Bilanzsumme.
- Die Einbeziehung börsennotierter KMU (mit Ausnahme von Kleinstunternehmen)
- Die Verpflichtung zur Prüfung der Berichte durch einen unabhängigen Dritten
- Die Einführung von Geldstrafen bei Unrichtigkeiten in den Berichten
Mit diesen Änderungen werden schätzungsweise rund 2’850 Unternehmen der Berichtspflicht unterliegen und bis zu 50’000 Schweizer Unternehmen indirekt betroffen sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Vorentwurf gewisse Abweichungen vom EU-Recht vorsieht, insbesondere die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Berichtsstandards (ESRS, ISSB, GRI) zu wählen, sowie die Ausweitung des Kreises der zur Prüfung der Berichte zugelassenen Unternehmen.
Nehmen wir das Beispiel der Migros, des größten Einzelhändlers der Schweiz. Obwohl die Migros nicht unmittelbar der CSRD unterliegt, hat sie sich dafür entschieden, ihre Berichterstattungspraktiken freiwillig an internationale Standards, einschließlich der CSRD, anzupassen. Das Unternehmen veröffentlicht jedes Jahr einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht, der Aspekte wie die Reduzierung der CO₂-Emissionen, die nachhaltige Beschaffung und die Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette abdeckt.
Abschließend…
Die CSRD stellt eine wesentliche Veränderung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung dar und hat erhebliche Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen. Obwohl die Herausforderungen beträchtlich sind, insbesondere hinsichtlich der Kosten und der Anpassung der Systeme, bietet die Einhaltung der CSRD auch Chancen in Bezug auf Transparenz, Attraktivität für Investoren und Marktpositionierung.
Für Schweizer Unternehmen ist es von entscheidender Bedeutung, diese Veränderungen zu antizipieren und sich bereits jetzt darauf vorzubereiten. Dies bedeutet nicht nur, die für die Berichterstattung erforderlichen Systeme einzurichten, sondern auch, die Nachhaltigkeit wirklich in die Unternehmensstrategie und die Geschäftsabläufe zu integrieren.
Das Inkrafttreten dieser neuen Anforderungen ist innerhalb von zwei Jahren nach Verabschiedung des Gesetzes in der Schweiz vorgesehen. Dies lässt den Unternehmen etwas Zeit, sich darauf vorzubereiten, doch es ist wichtig, den Umfang der zu bewältigenden Aufgaben nicht zu unterschätzen.
Hier finden Sie eine Übersichtstabelle nach Unternehmensart:
| Unternehmensart | Auswirkungen der CSRD | Zu ergreifende Maßnahmen |
|---|---|---|
| Großunternehmen (>250 Mitarbeiter, >50 Mio. CHF Umsatz, >25 Mio. CHF Bilanzsumme) | Direkte Auswirkungen | Einen umfassenden Bericht erstellen, Systeme zur Datenerfassung einrichten, die Teams schulen |
| Börsennotierte KMU | Direkte Auswirkungen | Einen maßgeschneiderten Bericht erstellen, grundlegende Systeme einrichten |
| KMU, die Unternehmen in der EU beliefern | Indirekte Auswirkungen | Sich darauf vorbereiten, ihren Kunden ESG-Daten zur Verfügung zu stellen, und mit der Erfassung der relevanten Daten beginnen |
| Sonstige KMU | Mögliche zukünftige Auswirkungen | Die Entwicklung der Rechtsvorschriften beobachten, erste Überlegungen zur Nachhaltigkeit des Unternehmens anstellen |
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