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Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung in der Schweiz ist weit mehr als nur eine gesetzliche Verpflichtung; sie stellt eine großartige Chance für CSR-Verantwortliche und Unternehmensleiter. Durch die Aufnahme von Klauseln zur nachhaltigen Entwicklung in öffentliche Aufträge ebnen die Schweizer Behörden den Weg für verantwortungsbewusste Beschaffungspraktiken, die die Wirtschaftslandschaft verändern können.
Das bedeutet, dass jedes Unternehmen die Chance hat, sich durch die Umsetzung nachhaltiger Strategien und die Einhaltung der Ziele für nachhaltige Entwicklung von der Konkurrenz abzuheben. Indem Sie sich zur Einhaltung dieser Anforderungen verpflichten, erfüllen Sie nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern positionieren Ihr Unternehmen auch als innovativen und verantwortungsbewussten Marktführer. Wie gehen Sie dabei am besten vor? Folgen Sie unserem Leitfaden!
Rechtlicher und regulatorischer Rahmen
Die Nachhaltigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen in der Schweiz zielt darauf ab, verantwortungsbewusste Praktiken zu integrieren und Ziele der nachhaltigen Entwicklung in die öffentliche Politik einzubeziehen.
Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB)
Das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) bildet den wichtigsten rechtlichen Rahmen für das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz. Es verpflichtet die Vergabebehörden, Nachhaltigkeitskriterien in ihren Vergabeverfahren zu berücksichtigen.
Das LMP ermöglicht es somit, öffentliche Auftraggeber dazu zu verpflichten, Nachhaltigkeitsklauseln in ihre Ausschreibungen aufzunehmen. Letztendlich zielen diese Nachhaltigkeitsbestimmungen darauf ab, die Wirtschaftsteilnehmer dazu anzuregen, umweltfreundliche und sozial verantwortliche Praktiken anzuwenden.
Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (AIMP)
Die interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (AIMP) ergänzt das LMP, indem es die Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge zwischen den Schweizer Kantonen harmonisiert. Die AIMP stärkt die Nachhaltigkeitsanforderungen im öffentlichen Beschaffungswesen der Schweiz, indem sie Ziele der nachhaltigen Entwicklung in die öffentlichen Liefer- und Dienstleistungsaufträge integriert.
Die in der AIMP definierten Nachhaltigkeitsklauseln im öffentlichen Auftragswesen verpflichten Unternehmen zur Einhaltung strenger ökologischer und sozialer Kriterien. Diese Nachhaltigkeitspolitik für das öffentliche Auftragswesen zielt darauf ab, sicherzustellen, dass öffentliche Aufträge zur Verwirklichung der die von den Vereinten Nationen festgelegten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Die Rolle des Bundesamtes und des Bundesrates
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) und der Bundesrat spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Überwachung der Nachhaltigkeitspolitik im öffentlichen Beschaffungswesen in der Schweiz. Das BBL ist für die Ausarbeitung von Richtlinien und Vergabekriterien zuständig, die Ziele der nachhaltigen Entwicklung in das öffentliche Beschaffungswesen integrieren.
Der Bundesrat sorgt seinerseits dafür, dass die Strategien zur nachhaltigen Entwicklung im öffentlichen Beschaffungswesen – im Einklang mit seiner Strategie für nachhaltige Entwicklung 2030 – auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung kohärent und wirksam umgesetzt werden.
Diese Institutionen sorgen zudem für die Sensibilisierung und Schulung der für das öffentliche Beschaffungswesen zuständigen Personen hinsichtlich der Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung und gewährleisten so, dass Nachhaltigkeitskriterien in den Vergabeverfahren systematisch berücksichtigt werden.
Ziele für nachhaltige Entwicklung im öffentlichen Beschaffungswesen
Die Einbeziehung der Politik der nachhaltigen Entwicklung in das öffentliche Beschaffungswesen ist mittlerweile eine grundlegende Anforderung. Das Bundesrat und die Beschaffungskonferenz des Bundes (CA) fördern eine nachhaltige öffentliche Beschaffung, wobei der Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus der Produkte hinweg liegt. Dies steht im Einklang mit dem SDG 12 der Agenda 2030, dessen Ziel die Schaffung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster ist.
Die öffentlichen Auftraggeber müssen in öffentlichen Aufträgen Klauseln zur nachhaltigen Entwicklung aufnehmen, die folgende ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte. Diese Klauseln zielen darauf ab, nachhaltige Praktiken entlang der gesamten Lieferkette zu fördern.
Nachhaltigkeitsklauseln im öffentlichen Auftragswesen
Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung werden in Ausschreibungen und Verträge im öffentlichen Auftragswesen aufgenommen.
Diese Klauseln legen technische Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft fest, die Lieferanten erfüllen müssen, um für die Vergabe eines öffentlichen Auftrags in Betracht zu kommen.
Gängige Klauseltypen
Zu den in der Schweizer öffentlichen Auftragsvergabe üblicherweise verwendeten Nachhaltigkeitsklauseln gehören insbesondere:
- Umweltklauseln: Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz, Reduzierung der CO₂-Emissionen, Verwendung von Recyclingmaterialien oder Abfallwirtschaft.
- Soziale Klauseln: Einhaltung der Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Förderung der Chancengleichheit und der Inklusion.
- Wirtschaftliche Bestimmungen: Innovationsförderung, Unterstützung lokaler KMU und Förderung der Kreislaufwirtschaft.
So führt das BBL beispielsweise in seinem Nachhaltigkeitsbericht 2022 (S. 32) , dass es im Jahr 2022 bei 18 von 18 Ausschreibungen in den Bereichen Güter und Dienstleistungen soziale Aspekte in den Ausschreibungsbedingungen berücksichtigt habe, gegenüber 14 von 14 im Jahr 2020.
Diese Bestimmungen werden entsprechend der Art des Auftrags und den vom öffentlichen Auftraggeber festgelegten spezifischen Nachhaltigkeitszielen angepasst.
Der Fall der öffentlichen Lieferaufträge
Die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsklauseln ist im öffentlichen Beschaffungswesen für Lieferungen besonders ausgeprägt. Sie ermöglichen es den öffentlichen Stellen:
- Den Kauf umweltfreundlicher und sozial verantwortlicher Produkte fördern.
- Die Innovation und die Entwicklung nachhaltiger Lösungen durch die Lieferanten fördern.
- Den ökologischen Fußabdruck der öffentlichen Beschaffung über den gesamten Lebenszyklus der Produkte hinweg zu verringern.
So hat beispielsweise das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) spezifische Vergabekriterien für öffentliche Lieferaufträge entwickelt, die Nachhaltigkeitsaspekte wie Energieverbrauch, Recyclingfähigkeit und Produktionsbedingungen berücksichtigen.
Insbesondere hat sich das BBL dazu verpflichtet, seinen Fuhrpark vollständig auf Elektrofahrzeuge umzustellen, gemäß seinem Nachhaltigkeitsbericht 2022 (S. 37), doch dies betrifft auch den übermäßigen Einsatz von Reinigungsmitteln bei der Gebäudereinigung sowie die Rückgewinnung sämtlicher Ausstattungsgegenstände aus einem abzutretenden Gebäude im Hinblick auf deren Wiederverwendung oder die Gewinnung von Ersatzteilen.
Gewichtung der Kriterien bei der Vergabe
Schließlich müssen die öffentlichen Auftraggeber jedem Nachhaltigkeitskriterium eine bestimmte Gewichtung zuweisen, die sich nach der relativen Bedeutung des jeweiligen Aspekts für das betreffende Projekt richtet.
Bei einer öffentlichen Bauausschreibung können beispielsweise Umweltkriterien stärker gewichtet werden, um Anreize für die Verwendung nachhaltiger Materialien und umweltfreundlicher Bautechniken zu schaffen. Die Gewichtung muss in den Ausschreibungsunterlagen klar definiert sein, um die Transparenz und Fairness des Bewertungsverfahrens zu gewährleisten.
Wenn Sie sich näher mit dem Thema Ausschreibung befassen möchten, lesen Sie den „Leitfaden zur Überwachung der Nachhaltigkeit im Beschaffungswesen“ erläutert Ihnen ausführlich die Gewichtung der Vergabekriterien im strategischen Zeitraum 2021–2030.
Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien im öffentlichen Beschaffungswesen
Die wirksame Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien im öffentlichen Beschaffungswesen in der Schweiz erfordert einen strategischen Ansatz und geeignete Instrumente.
So können CSR-Verantwortliche und Unternehmensleiter die Ziele der nachhaltigen Entwicklung effektiv in ihre Praxis integrieren.
Strategien zur Einbindung der Nachhaltigkeit
Um Nachhaltigkeit in die öffentliche Auftragsvergabe zu integrieren, empfehlen wir Ihnen, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen:
- Bedarfsanalyse: Ermitteln Sie den tatsächlichen Bedarf an Produkten oder Dienstleistungen unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
- Festlegung der Kriterien: Erarbeiten Sie spezifische und messbare Nachhaltigkeitskriterien, die auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung abgestimmt sind.
- Mitarbeiterschulung: Stellen Sie sicher, dass die für den Einkauf zuständigen Teams die Bedeutung der Nachhaltigkeit verstehen und wissen, wie sie diese in die Ausschreibungsprozesse einbeziehen können.
- Dialog mit den Lieferanten: Führen Sie einen konstruktiven Dialog mit den Lieferanten, um sie für Nachhaltigkeitsanforderungen zu sensibilisieren und Innovationen zu fördern.
Verfügbare Hilfsmittel und Ressourcen
Es stehen verschiedene Instrumente und Ressourcen zur Verfügung, um die Einbindung von Nachhaltigkeitsaspekten zu erleichtern:
- Der Leitfaden für das öffentliche Beschaffungswesen in der Romandie : Dieser Leitfaden ist die wichtigste Informationsquelle für Ihre Fragen zur öffentlichen Beschaffung in der Westschweiz. In der neuesten Ausgabe vom 1. Mai 2020 finden Sie unter anderem eine Methode zur Bewertung des Beitrags der Bieter zur nachhaltigen Entwicklung (siehe Anhänge Q5 und T5).
- Die Wissensplattform zum verantwortungsvollen öffentlichen Beschaffungswesen (PAP) : Dieses Werk dient als Nachschlagewerk für Fragen im Zusammenhang mit nachhaltiger öffentlicher Auftragsvergabe. Es steht den interessierten Beschaffungsstellen auf allen Ebenen des Bundes zur Verfügung.
- Nachhaltigkeitskompass : Ein vom Bundesamt für Raumentwicklung entwickeltes Online-Tool zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Projekten.
- SNBS-Plattform : Der Schweizer Standard für nachhaltiges Bauen bietet detaillierte Kriterien für nachhaltige Bauprojekte.
- Speziell für das Bauwesen und den Immobilienbereich: Die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsämter der öffentlichen Bauherren (KBOB) stellt eine Reihe von Ressourcen für die Bauwesen und an die Verwaltung von Immobilien nachhaltige.
Bewährte Verfahren und Beispiele
Hier sind einige Beispiele für bewährte Praktiken, die in der Schweiz im Bereich der nachhaltigen Beschaffung umgesetzt werden:
- Die Stadt Zürich hat soziale und ökologische Kriterien systematisch in seine Ausschreibungen für Textilien integriert. Diese Initiative zielt darauf ab, sicherzustellen, dass die beschafften Produkte hohen Nachhaltigkeitsstandards entsprechen, darunter Anforderungen an die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten, die Verwendung umweltfreundlicher Materialien und die Verringerung des CO₂-Fußabdrucks.
- Der Kanton Waadt setzt bei allen öffentlichen Bauprojekten ein Instrument zur Bewertung der Nachhaltigkeit ein. Dieses Instrument ermöglicht es, die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Projekte bereits in der Planungsphase zu analysieren. Zu den bewerteten Kriterien zählen Energieeffizienz, die Verwendung von recycelten Materialien sowie das Abfallmanagement.
- SBB : Einführung eines Bewertungssystems für Lieferanten, das Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt.
Praktische Tipps für Unternehmen
Um die Nachhaltigkeitsanforderungen im öffentlichen Beschaffungswesen der Schweiz zu erfüllen, müssen Unternehmen spezifische Strategien und Vorgehensweisen umsetzen.
Vorbereitung auf nachhaltige Ausschreibungen
Die Vorbereitung auf Ausschreibungen im Bereich der Nachhaltigkeit beginnt mit einem gründlichen Verständnis der Nachhaltigkeitskriterien. Hier sind einige wichtige Schritte:
- Anforderungsanalyse: Lesen Sie die Ausschreibungsunterlagen sorgfältig durch, um die Nachhaltigkeitsklauseln in öffentlichen Aufträgen zu identifizieren. Das Verständnis dieser Anforderungen ist entscheidend für die Einreichung konformer Angebote.
- Unterlagen: Bereiten Sie Unterlagen vor, die Ihr Engagement für Nachhaltigkeit belegen, wie beispielsweise Umweltzertifizierungen, Nachhaltigkeitsberichte und Fallstudien.
- Zusammenarbeit: Arbeiten Sie mit Partnern und Lieferanten zusammen, die Ihre Nachhaltigkeitswerte teilen, um Ihr Angebot zu stärken.
Entwicklung einer internen Nachhaltigkeitsstrategie
Eine solide interne Nachhaltigkeitspolitik ist unerlässlich, um den Erwartungen im öffentlichen Beschaffungswesen gerecht zu werden. So können Sie diese entwickeln
- Erste Bewertung: Bewerten Sie die CSR-Auswirkungen Ihres Unternehmens. Ermitteln Sie die Stärken und die Bereiche mit Verbesserungspotenzial.
- Zielsetzung: Legen Sie klare und messbare Ziele im Bereich der nachhaltigen Entwicklung fest. Diese Ziele müssen auf die Vorgaben zur nachhaltigen Entwicklung im öffentlichen Beschaffungswesen abgestimmt sein.
- Finanzierung: Je nach geografischem Standort Ihres Firmensitzes stellen verschiedene öffentliche Einrichtungen Programme zur finanziellen Förderung zur Verfügung. Diese Hilfen, die in Form von Zuschüssen oder anderen Arten der Unterstützung gewährt werden können, zielen darauf ab, Ihre CSR-Maßnahmen zu erleichtern und zu beschleunigen. Sie stellen einen interessanten Hebel für Unternehmen dar, die ihr Engagement im Bereich der CSR verstärken möchten.
- Aktionsplan: Erstellen Sie einen detaillierten Aktionsplan, der konkrete Maßnahmen, die erforderlichen Ressourcen und Fristen enthält. Stellen Sie sicher, dass dieser Plan auf allen Unternehmensebenen bekannt gemacht wird.
Schulung und Sensibilisierung der Teams
Die Schulung und Sensibilisierung der Teams sind für die erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen von entscheidender Bedeutung:
- Schulungsprogramme: Richten Sie regelmäßige Schulungsprogramme ein, um die Mitarbeiter über Nachhaltigkeitsthemen und die neuen Anforderungen im öffentlichen Beschaffungswesen zu informieren.
- Kontinuierliche Sensibilisierung: Organisieren Sie Workshops und Seminare, um ein hohes Maß an Sensibilisierung und Engagement unter den Mitarbeitern aufrechtzuerhalten.
- Verantwortungsübertragung: Ernennen Sie in jeder Abteilung Nachhaltigkeitsbeauftragte, die die Umsetzung der Initiativen sicherstellen und als Ansprechpartner für Fragen zur Nachhaltigkeit fungieren.
Abschließend…
Die Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung in der Schweiz stellt für Sie, die CSR-Verantwortlichen und Unternehmensleiter, eine strategische Chance dar. Durch die Einbindung von Nachhaltigkeitsklauseln in Ihre Geschäftspraktiken können Sie nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sondern sich auch als innovativer und verantwortungsbewusster Akteur positionieren.
Dies bedeutet, nachhaltige Strategien zu verfolgen, Ihre Teams zu schulen und eine solide interne Richtlinie zu entwickeln. Indem Sie Nachhaltigkeit zu einer tragenden Säule Ihres Unternehmens machen, stärken Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit und tragen gleichzeitig zu einer verantwortungsvolleren Zukunft bei. Engagieren Sie sich noch heute, um diese Herausforderungen in Chancen zu verwandeln und Ihr Unternehmen zu einem Marktführer im Bereich der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung zu machen.
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